Ratgeber

Zustand von Pokémon-Karten bewerten: von Mint bis Poor

Zwei identische Karten, zwei sehr unterschiedliche Preise: Der Zustand entscheidet mit, was eine Karte wert ist. So prüfst du deine Karten Schritt für Schritt und ordnest sie in die Stufen ein, die Cardmarket verwendet.

Kurz gesagt
  • Cardmarket unterscheidet sieben Stufen: Mint, Near Mint, Excellent, Good, Light Played, Played und Poor.
  • Prüfe in dieser Reihenfolge: Rückseite, Ecken, Kanten, Oberfläche, Holo-Fläche, Zentrierung.
  • Im Zweifel die niedrigere Stufe wählen. Grading lohnt sich nur für wertvolle Karten in sehr gutem Zustand.

Die Zustandsstufen bei Cardmarket

Im deutschsprachigen Handel haben sich die englischen Bezeichnungen von Cardmarket durchgesetzt. Die offiziellen Definitionen mit Beispielfotos stehen in der Cardmarket-Hilfe. Die Tabelle fasst typische Merkmale jeder Stufe zusammen:

StufeKürzelTypisches Bild
MintMMakellos, wie frisch aus der Packung. Keine Spuren, auch nicht bei genauem Hinsehen.
Near MintNMNahezu makellos. Höchstens winzige Spuren, die man suchen muss.
ExcellentEXLeichte Spuren, etwa einzelne helle Stellen an Kanten oder Ecken.
GoodGDDeutliche Spuren, aber gepflegt. Kratzer auf der Oberfläche fallen spätestens in diese Stufe.
Light PlayedLPSichtbar gespielt, Karte aber zweifelsfrei noch turnierlegal.
PlayedPLStarke Gebrauchsspuren, etwa Knicke oder leichter Wasserschaden.
PoorPOSchwer beschädigt, zum Beispiel eingerissen, beschriftet oder mit bemalten Rändern.

Feste Regeln, die viele nicht kennen

Ein paar Fälle hat Cardmarket in seiner Hilfe ausdrücklich geregelt. Wer sie kennt, bewertet sicherer und bekommt weniger Reklamationen:

Zustand prüfen: die Checkliste

  1. Gutes Licht: Eine helle Lampe oder die Taschenlampe des Handys. Halte die Karte im flachen Winkel ins Licht, dann werden Kratzer, Dellen und Abdrücke sichtbar.
  2. Rückseite zuerst: Auf dem dunkelblauen Rand der Rückseite fallen weiße Stellen besonders auf. Sammler nennen das Whitening.
  3. Ecken: Sind sie spitz und scharf, oder rund, abgestoßen oder leicht aufgefasert?
  4. Kanten: Fahre die vier Kanten ab. Kerben, Splitter und helle Stellen zählen.
  5. Oberfläche vorne: Kratzer, Fingerabdrücke, Druckstellen und Knicke. Auch kleine halbmondförmige Dellen sind ein Knick.
  6. Holo-Fläche: Hier zeigen sich Kratzer und Clouding am deutlichsten.
  7. Zentrierung: Sind die Ränder links und rechts sowie oben und unten etwa gleich breit? Eine ab Werk verschobene Karte ist kein Mangel im Sinne von Gebrauch, beim Grading zählt sie aber.
  8. Einstufen: Die schwächste Stelle bestimmt die Stufe. Im Zweifel wählst du die niedrigere.

Auch frisch gezogene Karten sind nicht automatisch Mint. Kratzer ab Werk, Druckpunkte oder eine schiefe Zentrierung gibt es auch bei Karten, die nie gespielt wurden.

Was der Zustand für den Preis bedeutet

Preisangaben wie der Cardmarket-Trend fassen den Markt einer Karte zusammen und sagen nichts über dein konkretes Exemplar. Cardmarket weist in seinen Preisdaten deshalb neben dem allgemeinen Tiefstpreis auch einen eigenen Tiefstpreis für Exemplare ab Excellent aus. Feste Abschläge pro Stufe gibt es nicht. Wie stark der Preis fällt, hängt von der Karte ab: Bei gesuchten Karten ist der Abstand zwischen Near Mint und Played oft groß, bei günstigen Karten spielt er kaum eine Rolle.

Am genauesten wird deine Einschätzung, wenn du auf Cardmarket nach Zustand und Sprache filterst und dir ansiehst, wofür Exemplare im gleichen Zustand angeboten werden.

Grading: PSA, Beckett und CGC

Beim Grading bewertet eine Firma den Zustand einer Karte auf einer Skala bis 10 und versiegelt sie in einer Kunststoffhülle, dem Slab. Die bekanntesten Anbieter sind PSA, Beckett (BGS) und CGC. Bei PSA heißen die Noten so:

NoteBezeichnungNoteBezeichnung
10GEM-MT (Gem Mint)5EX (Excellent)
9MINT4VG-EX
8NM-MT3VG (Very Good)
7NM (Near Mint)2GOOD
6EX-MT1PR (Poor)

Beckett und CGC arbeiten ebenfalls mit Skalen bis 10, teils mit halben Noten. Wichtig: Die Bezeichnungen der Grading-Firmen und die Stufen von Cardmarket sind zwei verschiedene Systeme. Eine offizielle Umrechnung gibt es nicht.

Grading ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Laut einer Auswertung von GemRate wurden 2025 rund 16,8 Millionen Karten aus Sammelkartenspielen und Non-Sport-Serien gegradet, fast doppelt so viele wie im Vorjahr.

Wann lohnt sich Grading?

Für gegradete Karten gelten eigene Preise. Die Durchschnittswerte einer normalen Produktseite sind dafür kein guter Maßstab.

Karten richtig aufbewahren

Zustand und Marktpreis zusammen denken

Kartenwert erkennt deine Karte per Scan und zeigt den Cardmarket-Preis der richtigen Variante. Den Zustand bewertet die App bewusst nicht, denn den kann kein Handyfoto zuverlässig beurteilen. Mit dieser Checkliste und dem Marktpreis aus der App kommst du zu einer ehrlichen Einschätzung, was dein Exemplar wert ist.

Häufige Fragen

Was bedeutet NM bei Pokémon-Karten?

NM steht für Near Mint, also nahezu makellos. Höchstens winzige Spuren sind erlaubt. Sichtbares Clouding der Folie oder Kratzer auf der Oberfläche schließen Near Mint laut Cardmarket aus.

Was ist der Unterschied zwischen Mint und Near Mint?

Mint ist makellos, wie frisch aus der Packung. Near Mint erlaubt winzige Spuren, die man suchen muss. Im Handel ist Near Mint die häufigste Angabe für sehr gut erhaltene Karten.

Was bedeutet Whitening?

Whitening sind weiße Stellen an Kanten und Ecken, wo die Farbschicht abgerieben ist. Am deutlichsten sieht man sie auf dem dunkelblauen Rand der Rückseite.

Ab wann lohnt sich Grading?

Wenn eine Karte schon ungegradet deutlich Wert hat, sehr gut erhalten und gut zentriert ist und Gebühren, versicherter Versand und Wartezeit in einem sinnvollen Verhältnis zum möglichen Mehrwert stehen.

Ist eine frisch gezogene Karte automatisch Mint?

Nein. Auch nie gespielte Karten können Kratzer ab Werk, Druckpunkte oder eine schiefe Zentrierung haben. Prüfe sie genauso wie jede andere Karte.

Quellen

Caspar ist Indie-Entwickler aus Berlin und baut Kartenwert allein. Fragen oder eine Karte, die nicht erkannt wird? Schreib ihm auf X.